Donumenta 2011 Serbien


Aleksandar Jestrevic Jamesdin präsentiert seine Arbeit „Schwarzarbeit“ und erzählt vor der Presse von seiner Zeit als zunächst Illegaler und späterer Schwarzarbeiter in Berlin. Mit Kohle von Briketts – als Zeichen fehlender teuerer Malmittel – hat er den schwarzen Kontinent zu Papier gebracht. In dieser kleinen Installation steckt viel eigene Erfahrung als Migrant – und sie hat Symbolgehalt: über die Bedeutung von Kohle im reichen Westen und die Gefahr, in diesen Städten „schwarz“ zu sein. Er habe inzwischen ein Dokument bekommen, sagt Jamesdin und fährt ironisch fort: Er sei integriert.

SUSANNE WIEDAMANN

http://www.mittelbayerische.de/index.cfm?pid=10028&pk=705256&p=1#705256

http://www.vesti-online.com/Dijaspora/drzava/Nemacka/Vesti/165206/Srbiju-predstavili-bez-Kosova

http://www.e-novine.com/kultura/kultura-vesti/50913-Kosovo-vizije-srpske-umetnosti.html

http://www.facebook.com/donumenta

„Schwarzarbeit“

Von Januar 2009 bis Oktober 2010 habe ich in Berlin gelebt, und dabei alle drei Monate meinen Pass gewechselt – ich besitze einen kroatischen und einen serbischen. So konnte ich aus der EU nach Hause reisen und auch wieder einreisen. Praktisch hielt ich mich illegal in Berlin auf, aber ich arbeitete während dieser Zeit auch und nahm an Ausstellungen teil. Die Arbeit „Son of the central heating“ – im Februar 2010 im Grimmuseum Berlin zu sehen – erklärte meine Lage nicht explizit, aber die Zeichnung selbst, der Kontinent Afrika in schwarzer Kohle, konnte als Metapher verstanden werden. Eine ähnliche Zeichnung hinterließ ich in der Wohnung, in der ich Restaurierungsarbeiten durchführte, auch „schwarz“.

An der Gruppenausstellung „The Dirty Dozen“, noch einmal im Grimmuseum 2010, nahm ich mit einem Statement teil, welches mein Pseudonym Jamesdin erklärt: die Verwendung dieses Pseudonyms erschwert der Polizei meine „illegalen“ Ausstellungsteilnahmen aufzudecken. Im Juni 2010 hätte mich das Ausländeramt beinahe geschnappt und das Spiel durchschaut, doch am Ende lagen nicht ausreichend Informationen vor, um mich zurückzuschicken.

Son of the central heating, March 08, 2010

I

Gestern ging ich spazieren, um meinen Geist zu lüften und über einen geeigneten Projektvorschlag nachzudenken. Es ist immer noch kalt draußen – dieser Winter wird wohl niemals enden. Die Kälte sollte meine Gedanken klarer werden lassen, aber ich kann nur daran denken, wenn es endlich wieder wärmer wird. Daher gehe ich lieber schnell nach Hause zurück, um Feuer zu machen. Erst entzünde ich einige Stücke Holz, später lege ich Kohle nach. Noch vor einem Jahr habe ich Kohle nur zum Zeichnen verwendet – nicht zu oft. Aber während meines Studiums in Belgrad, vor allem im ersten Jahr an der Akademie, 1995, war Kohlezeichnung eine Pflichtaufgabe.

Der Umzug nach Berlin ist ein neuer Anfang für mich, deshalb und auch zur Begrüßung des hoffentlich bald kommenden Frühlings möchte ich mit Heizkohle eine Wandzeichnung anfertigen. Mein Projektvorschlag ist also diese Zeichnung (das Motiv ist noch offen) an der Wand und einige Kohlestücke, die am Boden liegen bleiben. Ich denke, das ist ein gutes Beispiel, wie man Dinge von zwei verschiedenen Standpunkten aus betrachten kann.

II

Nun, nachdem ich die Kuratorinnen der Ausstellung mit meinem Konzept beindrucken konnte und eine weiße Wand zur Verfügung gestellt bekam, musste ich darüber nachdenken, was ich eigentlich zeichnen sollte.

Die Idee war ja eigentlich, das Material, die Ofenkohle „Heiz Profi“ auf die Wand zu übertragen – ohne eine große zusätzliche Geschichte.

Kohle und Zeichnung sollten „eins“ sein: vielleicht einfach ein schwarzes Quadrat, aber die Abstraktion ist nicht wirklich meine Sache. Als ich weiter nach einem Motiv suchte, fiel mir eine Geschichte ein, in der drei Kinder aus Nürnberg, die den diesjährigen Winter satt hatten, den Plan schmiedeten, aus dem Kindergarten auszureißen, um in ein Flugzeug nach Afrika zu steigen. Afrika! Das war es, wonach ich gesucht hatte: der schwarze Kontinent – und die Kohle das logische Material, um ihn zu zeichnen.

Jamesdin

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